Für viele ist Herr Prechtl das Gesicht der Knabenrealschule. Schließlich hat er viele Jahre seines Lebens hier verbracht: als Schüler, Lehrer und zweiter Konrektor. Seit einiger Zeit hat er im Konrektorat Platz genommen. In Sichtweite der neuen Rektorin, Andrea Langenfelder. Von dort aus wird er demnächst ganz offiziell die Aufgaben eines stellvertretenden Schulleiters wahrnehmen.

Während der Coronakrise wurde der neue Konrektor auf eine harte Probe gestellt. Zu Beginn musste er die Kollegen mit dem Homeschooling vertraut machen, in der nächsten Phase galt es den Präsenzunterricht zu organisieren: Klassen teilen, neue Stundenpläne entwerfen, die Pausenzeiten staffeln. Selbst in den Ferien war er omnipräsent.
Trotz dieser umfangreichen Arbeit hatte Herr Prechtl immer ein offenes Ohr für die Angelegenheiten seiner Kollegen. Ein ruhender Pol in einem hektischen Schulalltag, ein Fels in der Brandung. Doch da ist ein Lehrer in Leitungsfunktion wie Martin Prechtl genau am richtigen Platz. Da wo er plant, lenkt, erzieht und organisiert, bleibt hektische Betriebsamkeit auf der Strecke. Ruhe und Zuversicht sind zwei zentrale Charaktereigenschaften des Mannes, der der Schule, mit einer kürzeren Unterbrechung, schon so lange die Treue hält.
An seine Schulzeit erinnert er sich gern zurück, an das Zusammensein mit lauter coolen Jungs, das Skilager, die Abschlussfahrt nach Paris. Das Unterrichten sei heute ein anderes, so der Lehrer für Mathematik und Sport. Hatte der Schüler früher den strengen, weltabgewandten und wenig empathischen Pädagogen vor sich, ist heutzutage das Lehrer-Schüler-Verhältnis auf Augenhöhe angesiedelt. Als er im Jahre 1987 den Abschluss der Mittleren Reife erlangte, hat der junge Realschulabsolvent eine technische Ausbildung im Visier. Nachdem sich das Vorhaben dann aber zerschlägt, landet er als Lehrling in den Hallen der Raiffeisenbank.
Er lernt die Berufswelt, den Berufsalltag von der Pike auf kennen. Eine wertvolle Erfahrung auf dem Weg zurück in den Schulbetrieb. Als Banker an die Uni, da dürfte das Selbstvertrauen gewachsen sein. Ein Mathelehrer der FOS leistete hier wichtige Überzeugungsarbeit. Ein Pädagogikstudium an der Universität Regensburg mit den Fächern Mathe, Sport und IT schloss sich an, nicht mehr Bankkunden sollten künftig die erste Geige spielen, sondern der Umgang mit Kindern und Jugendlichen würde bald das Berufsbild prägen.

Vom Bankschalter ans Lehrerpult
In der Freizeit war lange Zeit der „Fußball“ seine klare Nummer eins, bis sich eines Tages die Horizonte verschoben. Zum Ball kamen das Buch und die Berge. Hesse und Nietzsche im Gepäck, vom Flachpass zur Philosophie nahm Prechtl Anlauf in die geistige Oberliga. „Eine echte Bereicherung für mein weiteres Leben,“ stellt er heute nüchtern fest. Schöngeist und Bayernfan, das muss sich nicht ausschließen. Familie und Freunde stehen heute im Mittelpunkt freizeitlicher Aktivitäten.
Das Interesse an Computern, sein Steckenpferd, wurde erst im Laufe des Studiums geweckt. Darin hat er es zu echter Meisterschaft gebracht. Tagtäglich kann man sich davon im Schulalltag überzeugen, wo er als Systembetreuer den digitalen Schulkosmos hervorragend aufgerüstet hat und am Laufen hält. Beim Homeschooling machte die Schule dank eines Martin Prechtl und zweier weiterer IT-Experten der Schule keine schlechte Figur.
„Wir haben schon früh begonnen, Strukturen für den Online gestützten Unterricht aufzubauen,“ so der IT-Spezialist. „Aber die besten Strukturen helfen nichts, wenn die Mitglieder der Schulfamilie damit nicht zurechtkommen – vor allem von heut auf morgen!“ Mittlerweile habe sich vieles eingespielt – dank der Offenheit und der Unterstützung im Kollegium, gibt sich Herr Prechtl angesichts der Ausnahmesituation gelassen.
Trotz alledem sei die Schere zwischen guten und schwächeren Schülern ganz offensichtlich weiter auseinander gegangen, stellt er leicht resignierend fest. „Es ist augenfällig, dass sich unsere Schüler schwertun, im häuslichen Umfeld selbständig, ohne die Anwesenheit einer Lehrkraft, schulische Inhalte anzueignen,“ so der Mathematiker. Sie hätten es einfach nicht gelernt. Die Schüler müssten verstärkt zu eigenständigem und kooperativem Arbeiten angehalten werden. Hier böten die digitalen Medien und die globale Vernetzung ungeahnte Möglichkeiten. Noch viel Arbeit liegt also vor dem agilen Konrektor mit heimischen Wurzeln, der seinen Dienst offiziell am 1. August antritt.

Johannes Vesper

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