„Non scholae sed vitae discimus.“ Wohl selten hat das berühmte Zitat von Seneca die schulische Realität so nah gestreift wie heuer mit dem von der Landesregierung neu installierten Lernkonzept „Schule fürs Leben“. In diesem Beitrag gehen wir auf den Besuch unserer Siebtklässler bei der Sparkasse ein, die weiteren Exkursionen finden nach den Sommerferien auf unserer Homepage Berücksichtigung.

Eigentlich sollte das Konzept schon viel eher Einzug in den Schulalltag halten. Corona machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung, so dass erst im laufenden Schuljahr das Projekt zum Tragen kam. So startete die Realschule im Rupertiwinkel erst kurz vor den Sommerferien mit der Umsetzung der fächerübergreifenden Vermittlung der geforderten fünf Handlungsfelder.
Zu ihnen gehören Ernährung und Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt- und selbstbestimmtes Verbraucherverhalten sowie Haushaltsführung. Das Ziel: „Den Praxisbezug von Schülern zu stärken, um sie auf ein gutes Zusammenleben in unserer Gesellschaft vorzubereiten,“ so die Worte von Staatsminister Michael Piazolo in diesem Zusammenhang. Die Umsetzung der Projektwoche soll auch in den kommenden Jahren in einer der Klassen 1 bis 4 und einer weiteren zwischen der 5. und 9. Klasse erfolgen.
Der pädagogische Ansatz besteht laut darin, Ort, Zeit und Inhalt der Vermittlung anders zu gestalten als die Kinder und Jugendlichen das im normalen Schulalltag gewöhnt sind. So können die Lehrkräfte Experten von außen hinzuziehen und fächerübergreifend sowie team- und projektorientiert, jenseits des 45 Minuten-Rhythmus, mit den Schülern arbeiten.
Mit dem neuen Konzept „Schule fürs Leben“ sollen in Bayern künftig Alltagskompetenzen im Unterricht verstärkt vermittelt werden. Der Fokus liegt dabei auf Praxisbezug und Lebenswirklichkeit.
Besuch bei der Sparkasse
Das Logo, das wie eine Spardose aussieht, das Gründungsjahr, die Bilanzsumme, gleich zu Beginn haben die Schüler der 7. Klasse eine Gesprächsebene gefunden, die sie mitten in die Geschäftsabläufe eines Bankhauses führt. Durch ihre aktive Beteiligung verrinnt die Zeit sehr schnell und der Referent, Hans-Martin Hinterstoißer, wird mit seinen Impulsen nicht allein gelassen. Die Resonanz der Klassengemeinschaft auf seine Fragen ist ansprechend, die Mädels und Jungen wollen alles wissen. Nach Beendigung des Besuchs in Reichenhalt werden sie den Bankern eine sehr gute Note erteilen.
Auch der Besuch beim Vorstand und der Abstieg in die Katakomben des Tresorraumes hinterlässt bleibende Erinnerungen. 37 Azubis sind derzeit in der Reichenhaller Zentrale beschäftigt. Erfahrungsgemäß dürfte die Hälfte von ihnen bleiben, die andere Hälfte werde neue Wege gehen, vielleicht an eine Uni oder in ein größeres Bankhaus, so Hinterstoißer, der in Vertretung eines wichtigen Sponsors unserer Schule häufiger bei uns zu Gast ist.
Silvia Morelle, für diesen Vortrag extra angereist, Dipl. Sozialpädagogin und Schuldner- und Insolvenzberaterin aus München verfolgt mit ihren Vorträgen das Ziel, die finanzielle Bildung der Bevölkerung zu stärken gemäß dem öffentlichen Auftrag der Sparkassen. Sie vermittelt den Jugendlichen die Gefahren der Werbung, den richtigen Umgang mit dem Taschengeld und die Möglichkeit zur Führung eines Haushaltsbuches, damit man den Überblick über seine Ausgaben behält und finanziell besser planen kann. Außerdem helfe es sein Ausgabenverhalten leichter zu verändern.

Um das Finale des Vormittags kümmerten sich die Azubis. Dabei kamen auch die allgemeinen Voraussetzungen für die Ausbildung zum „Kaufmann für Büromanagement“ zur Sprache, der den Ausbildungsberuf des Bankkaufmanns abgelöst hat. Die Sparkasse gehört mit ihren Möglichkeiten immer noch zu den Top-Adressen im Kreis der Lehrstellenanbieter für kaufmännische Beruf. Um hineinzuschnuppern, empfiehlt sich in jedem Fall ein Praktikum, dessen Stellenwert immer höher anzusiedeln ist.

Ein alles in allem prall gefüllter Vormittag mit gewaltigem Input für unsere Schülerinnen und Schüler und der Gelegenheit, einmal in einem klimatisierten Sitzungssaal Platz nehmen zu dürfen, das kalte Getränk vor sich und die Brotzeit hinter sich. Das Ambiente im Gebäude des Geldinstituts hat sicher beim ein oder anderen die Neugier geweckt.

Johannes Vesper

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