Im Jahr 2019 präsentierten die Knabenrealschule und die Berufsschule unter dem Motto „Markt der Berufe“ erstmals gemeinsam eine Berufsinformationsmesse: Nach längerer, pademiebedingter Pause erlebte das neu gestaltete Format kurz vor den Osterferien eine Neuauflage. Zahlreiche Jugendliche, oft in Begleitung ihrer Eltern, nutzten die Gelegenheit, sich über die aktuelle Ausbildungssituation zu informieren und Kontakte mit potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen.

„Unsere Initiative hinsichtlich der Berufsinformation in Form einer Ausstellung begann an unserer Schule im Jahre 2009 mit dem „Marktplatz Zukunft,“ so Jan Herold, Leiter des Organisationsteams im Realschulhaus. Jahr für Jahr habe die Veranstaltung großen Zuspruch erfahren. Mit der Neuausrichtung habe man die Zahl der Aussteller verdoppeln und somit ein deutlich größeres Informationsangebot auf die Beine stellen können.

Als Veranstalter treten die Bildungsregion Berchtesgadener Land, der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice, das Staatliche Berufliche Schulzentrum Freilassing und die Realschule im Rupertiwinkel gemeinsam auf.

Knapp 90 Aussteller nahmen mit Informationsständen und Ansprechpartnern aus den unterschiedlichsten Betrieben und Institutionen teil und boten die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch. Auch zahlreiche Fachvorträge zu einzelnen Berufsfeldern standen auf dem Programm.

Mit Start des neuen Ausbildungsjahres 2022 im letzten Herbst waren noch tausende Lehrstellen in Bayern offen. Jeder Interessierte konnte praktisch zwischen zwei Stellen wählen. Kurz vor Beginn des neuen Lehrjahres am 1. September waren fast 40.000 Stellen unbesetzt, meldete die Agentur für Arbeit. Gleichzeitig hatten knapp 16.000 Bewerber keinen Ausbildungsplatz in Aussicht. „In ganz vielen Berufen werde es auch im kommenden Herbst noch offene Lehrstellen geben,“ so BWR-Fachschaftsleiter Herold. Wenn man diesbezüglich ein wenig flexibel sei und mal nach rechts und links schaue, werde man sicher etwas finden, dass den persönlichen Wünschen nahekommt.
Das größte Problem auf dem Arbeitsmarkt sei der Fachkräftemangel, sind sich die Jobexperten der Arbeitsämter einig. In diesem Zusammenhang wird immer wieder betont, wie wichtig die Förderung geeigneten Nachwuchses sei, denn jeder nicht besetzte Ausbildungsplatz von heute sei eine fehlende Fachkraft von morgen. Nach Auskunft verschiedener Arbeitsämter würden Software-Entwickler besonders dringend gesucht. Auch im Handwerk seien die Löcher, die es zu stopfen gelte, sehr groß, so zum Beispiel bei den Klempner-Berufen und auf dem Bau. Grundsätzlich bilde das Handwerk überproportional aus. Viele fertig ausgebildete Handwerksgesellen würden aber dann in die Industrie wechseln, weil sie da oft mehr verdienten.
„Um die richtige Entscheidung hinsichtlich einer Ausbildung, zu finden, ist das Praktikum der Königsweg“, so Herold. „Hier lernt man einen Betrieb und seine Abläufe kennen, erlebt den Arbeitsalltag aus erster Hand.“ Nicht selten kämen Jugendliche mit einem Lehrvertrag in der Tasche nach Beendigung eines Praktikums heim. In so einem Fall hätten alle Beteiligten ins Schwarze getroffen. 

„In Bayern stehen den jungen Leuten alle Türen offen“, so Landrat Bernhard Kern in seiner Eröffnungsansprache. Der weiß wovon er spricht. Schließlich absolvierte er eine Ausbildung zum Bauzeichner, bevor er den Weg in die Politik einschlug. Über die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft in unserer Region könne man sehr froh sein, so Kern, der das Engagement beider teilnehmenden Schulen im Zusammenhang der Berufsmesse lobte.
„Wichtig ist es für Schülerinnen und Schüler, auf dem aktuellen Stand zu sein, was die beruflichen Perspektiven angeht. Das breite Spektrum an beruflichen und schulischen Ausbildungsmöglichkeiten eröffnet so viele Chancen, die sollte man frühzeitig kennen lernen und sich orientieren“, begründet Herold das Engagement seiner Schule im Rahmen der Berufsvorbereitung.
Johannes Vesper

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