Susanne Ruf kennt das pädagogische Geschehen rund um unsere Schule seit vielen Jahren aus verschiedenen Perspektiven: sie ist selbst Lehrerin, war auch als Lehrkraft an unserer Schule im Einsatz, sie engagiert sich in der Elternarbeit, arbeitet im Schulforum mit und ist die Mutter eines Abschlussschülers. Viele Gründe, sie nach ihren Eindrücken in diesem Ausnahmeschuljahr zu befragen.

- Wie fällt Ihr Coronajahr im Rückblick aus, wenn Sie an Ihr Privatleben denken?
Susanne Ruf: Es war eine Zeit der intensiven Arbeit und des Rückzugs für mich. Aber ich denke, es gibt Menschen, die viel mehr als ich unter der Situation gelitten haben: junge Menschen, die sich im Rahmen einer normalen Entwicklung vom Elternhaus lösen und sich zunehmend der Gleichaltrigengruppe zuwenden, können diese Entwicklung in dieser Situation nicht durchlaufen. Aber auch Familien, die neben Haushalt, Berufstätigkeit und teilweise existenziellen Ängsten auch die Betreuung von Kindergartenkindern bzw. die Beschulung von Kindern, die nicht selbständig an ihre Lernaufgaben herangehen, zu übernehmen hatten.

- Was hat Sie besonders viel Energie gekostet, oder auch genervt?
Am meisten Energie hat es gekostet, während des Lockdowns auf einen sehr reduzierten Bewegungsradius beschränkt zu sein. Das betrifft vor allem die Einschränkungen beim Einkaufen und Ausgehen, aber auch die fehlenden sozialen Begegnungen. Das habe ich schon sehr vermisst.
Hatten sie das Gefühl, dass Ihre Schüler in der Grundschule mit dem Home- schooling zurechtkommen?
Grundsätzlich ist die Grundschule technisch gut ausgestattet: Lehrer haben Computer und Schüler hatten – wie auch an der Realschule – die Möglichkeit, von der Schule Leihgeräte zu bekommen. Die Schüler sind sehr unterschiedlich mit dem Homeschooling zurechtgekommen: Für die meisten war der Umgang mit dem Videounterricht zunächst sehr motivierend. Aber es gab auch an der Grundschule in jeder Klasse Schüler, die abgetaucht sind. Viele haben sehr davon profitiert, dass die Eltern auf einem klar strukturierten Tagesablauf bestanden haben. Sie wurden auch bei den Aufgaben unterstützt.

Was hat den Grundschülern am meisten Schwierigkeiten gemacht?
Schüler, die diese Unterstützung – aus welchen Gründen auch immer – nicht erhielten, haben die Aufgaben nicht oder nur zum Teil gemacht. So sind dann Lücken entstanden. Ich denke, grundsätzlich haben wir Grundschullehrer unterschieden, was generell im Homeschooling vermittelt werden kann und was wir zurückstellen, in der Hoffnung, dass wir die Möglichkeit bekommen, es im Präsenzunterricht zu behandeln.
Langfristig war das Fehlen der Kontakte zu Gleichaltrigen das größte Problem. Das haben alle Schüler ausnahmslos bestätigt. Ich denke aber, dass gerade Grundschüler einen engen Kontakt zum Lehrer brauchen um dauerhaft motiviert bei der Sache zu sein.

- Wie haben Sie im Vergleich das Homeschooling an der Realschule erlebt?
Ich habe bei meinem Sohn Paul gesehen, dass der Unterricht z.T. in Videokonferenzen abgehalten wurde und Aufgaben mit verbindlichen Abgabeterminen gestellt wurden. Bei diesen Aufgaben gab es dann eine Rückmeldung durch den Lehrer. Es wurden also viele „Risikofaktoren“ für das Lernen ausgeschaltet. Er war im Homeschooling wirklich bestens betreut. Trotzdem war er sehr froh, als er wieder in die Schule gehen konnte, weil ihm der Kontakt zu Mitschülern und auch der Ansporn durch das Lernen in der Gruppe gefehlt hat.

- Tun sich in der Grundschule und der weiterführenden Schule Ihrer Meinung nach große Wissenslücken auf?
Ich denke, dass alle Seiten ihr Bestes getan haben um das zu verhindern.
Waren Einrichtungen wie das Schulforum in der Pandemie handlungsfähig?
Ich denke, dass sich der Schwerpunkt der Arbeit verändert. In der Zeit des Lockdowns waren zum Teil sehr konkrete Hilfen von Familien, die in der Coronasituation auf finanzielle Unterstützung angewiesen waren.
Die Gespräche waren wichtig, weil so deutlich geworden ist, dass sowohl Eltern als auch Lehrer sich immer von einem auf den anderen Tag mit grundlegenden Veränderungen konfrontiert wurden.

- Warum lohnt es sich in der Elternarbeit aktiv zu werden? Was geben Sie den Eltern diesbezüglich mit auf den Weg?
Durch eine Mitarbeit im Elternbeirat kann die Schule des eigenen Kindes/der eigenen Kinder mitgestaltet werden. Manche Entscheidungen werden verständlicher, wenn die Hintergründe klarer werden.

- Also, nach so langen Jahren ein positives Fazit?
Ich habe eine sehr gute Zeit mit der Realschule im Rupertiwinkel verbracht – als Lehrerin, als Mutter und als Mitglied des Elternbeirats - und dafür möchte ich mich bei allen, die dabei mitgewirkt haben, ganz herzlich bedanken!

Susanne Ruf/ Johannes Vesper 

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