Seit mehr als 200 Jahren spielt die historische Kleidungskultur im ländlichen Bayern eine große Rolle. Diente die Tracht früher zunächst als Arbeitskleidung, prägt sie in all ihrer Pracht bis heute das bayerische Identitätsgefühl. Und viele Jugendliche halten an der Tradition fest, wie auf unserem Bild zu sehen: die Abschlussschüler Werken von Herrn Koller.

Die Jugendlichen zeigen, wie tief verwurzelt sie in ihrer Heimat sind und kehren das bayerische Lebensgefühl stolz nach außen.
Die Bayerische Trachtenjugend gehört mit über 100.000 Mitgliedern zu den größten, anerkannten Freien Trägern der Jugendhilfe in Bayern und hat vorrangig ein Ziel: die Pflege bayerischen Brauchtums und bayerischer Kultur in ihrer ganzen Vielfalt.
88 Prozent der 15- bis 25-jährigen bayerischen Jugendlichen sagen, dass sie gern in ihrem Bundesland leben. Das zeigen sie auch nach außen – durch Tracht, Brauchtum und Dialekt. Junge Leute haben wieder Lust auf Schützen- und Blasmusikvereine, sie feiern Kirchweih und Oktoberfeste, wandern in die Berge und tragen Dirndl.
Die meisten jungen Leute sind stark in ihrer Heimat verwurzelt, Jungs noch mehr als Mädchen, nur zehn Prozent ziehen weiter als 250 Kilometer von den Eltern weg. Erstaunlich, glaubt man doch, die Teenies seien heute in der ganzen Welt zu Hause.
Das sind sie auch – zumindest virtuell. Doch Facebook-Freunde sind eben meist keine echten. In der Realität sehnen sich Jugendliche nach Geborgenheit, nach einer Heimat. Und die finden sie da, wo es ihnen vertraut ist, die Freunde nebenan wohnen und das Essen am besten schmeckt.
„Jugendliche leben in einer Welt, in der alles möglich ist, aber auch alles vage bleibt. Daher gehört für sie zur Vielfalt der Moderne auch eine Suche nach Verlässlichkeit“, erklärt Claus J. Tully, Soziologe am Deutschen Jugendinstitut. „Sie betrachten ihre Großeltern und bemerken, was für ein beständiges Leben diese haben.“ Diese Geborgenheit wollen sie auch – zumindest zeitweise.
In Bräuchen liegt etwas Erprobtes, etwas Vertrautes, etwas, was Orientierung gibt. Es gibt Regeln, Absprachen und Menschen, auf die man sich verlassen kann. Für Jugendforscher Tully ein wichtiges Stichwort: „Viele Teenager interessieren sich sehr für Nachhaltigkeit – egal, ob es um Naturschutz, Lebensmittel oder um das gesellschaftliche Miteinander geht. Sie sehnen sich nach etwas von Dauer.“ In Studien des DJI beobachtet der Soziologe ein Wiederaufleben der konservativen Werte. „Die meisten Jugendlichen sind heute „Wertesampler“: Sie kombinieren Stile, Werte und alles andere.“ Die Rolle der Familie wird wieder wichtiger, in seltenen Fällen verbunden mit einer Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern. „Nicht die Politik, nicht die Gesellschaft, sondern die Familie ist für junge Menschen der verlässlichste Ort im Leben“, erläutert Tully.

Johannes Vesper

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